Azubi in der Jury der deutschen Meisterschaft

Bei den letzten Deutschen Meisterschaften war ich erstmals in der Jury tätig. Eine große Aufgabe - deshalb wollte ich im Vorfeld möglichst viel über Juryarbeiten erfahren. Durch E-Mails an erfahrene Juroren habe ich versucht mich irgendwie darauf vorzubereiten.

Das Ergebnis: Alle Vorbereitung hilft nichts, denn Juror ist ein extrem anstrengender Job. Irgendwie versucht man alles was passiert aufzunehmen, gleichzeitig muss man es mitschreiben, am Besten schon im selben Moment bewerten (natürlich möglichst objektiv) und parallel hat man meistens noch mit irgendwelchen anderen Dingen zu kämpfen (Lampe an und ausmachen, Blatt ist vollgeschrieben, …).

Um all diesen Dingen gerecht zu werden, hat jeder der Juroren sein eigenes System entwickelt. Ich habe Juroren kennen gelernt, die eine akribische Checkliste führen, welche Kriterien erfüllt sind, und anhand dieser die Punktzahl errechnen. Andere haben die Eigenschaft sich jede Kleinigkeit einer Wettbewerbsnummer über Jahre hinweg zu merken (Ich habe den Test gemacht und die Juroren zu meinen eigenen Nummern befragt. Sie wussten teilweise noch mehr als ich davon). Irgendwie habe ich mir aus allen Ansätzen mein eigenes System zusammengestellt, nach dem ich schnell und effizient bewerten kann.

Der bedeutendste Tipp jedoch, den ich im Vorfeld bekam, war: „Vor jeder Wettbewerbsnummer, wenn der Vorhang noch zu ist, mache ich mir klar, dass das was in den nächsten zehn Minuten passiert für denjenigen auf der Bühne viel viel Arbeit und unter Umständen sogar ein ganzes Lebenswerk darstellen.“ — Genau diese Ehrfurcht vor den einzelnen Wettbewerbsnummern ist das, was mir als Juror am meisten hilft.


Ich hoffe, ich konnte euch einen leichten Einblick in die Aufgaben und Arbeit der Juroren geben und allen Teilnehmern damit die Angst vor angestrengten und gequälten Blicken von Jurymitgliedern nehmen.

Ich wünsche allen Wettbewerbsteilnehmern viel Erfolg und viel Spaß bei ihren 10 wichtigen Minuten!