Ehrlich Brothers in der Porsche Arena

Donnerstags bekomme ich die Möglichkeit mir die Show der Ehrlich Brothers am Samstag in Stuttgart anzuschauen und so spontan entschließen meine Freundin Lucie und ich uns dazu.

Dafür nehmen wir auch drei Stunden Fahrt nach Stuttgart in Kauf. Leider spielt in der Halle nebenan Elton John, der VFB hat ein Spiel, auf dem Platz gegenüber ist eine riesige Kirmes und wegen einer Baustelle gibt es nur eine Zufahrt zu den Parkplätzen für alle Veranstaltungen. Kurz gesagt: Wir kamen leider zwanzig Minuten zu spät. Aber was dann folgt, hat uns so begeistert, dass der Stress vergessen war (zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als wir wieder zusammen mit allen anderen vom Parkplatz runter wollten).

Vor etwa 6.000 Zuschauern zeigen die Ehrlich Brothers, dass heutzutage bei Großillusionen Kisten und Kästen out sind. Die stärksten Illusionen sind sogar fast ohne Abdeckung (ab und zu mal Pyro als Abdeckung oder ein ganz kurzes Tuch hochheben, oder eine sehr geschickte Kameraführung).

Auch Close-up-Standardkunststücke sind mit von der Partie, wie unter anderem Münze durch den Tisch oder Card to pocket. Diese Effekte werden durch Kameraübertragung im ganzen Stadion gut sichtbar gemacht. Bei vielen Kunststücken haben die Ehrlich Brothers minimale Abänderungen, die die Wunder um ein vielfaches verstärken (beispielsweise ist die Tafel für das Puzzle des Lebens durchsichtig).

Soweit zur Show. Allerdings schießen mir nach diesem bombastischen Erlebnis einige Gedanken durch den Kopf:

  • Die Ehrlich Brothers spielen an diesem Tag zwei abendfüllende Shows vor insgesamt über 10.000 Zuschauern (14 und 19 Uhr) ohne (!) Fremdacts und wirken bei der zweiten Show kein bisschen müde... das ist beeindruckend.

  • Die "normalen" Zauberkünstler können sich in nächster Zeit getrost von Card to pocket und Münze durch den Tisch verabschieden. Für Laien wird das nur noch "nachgemacht" sein. Allerdings hat dieser Punkt in meinen Augen einen gewaltigen Vorteil. Wir "normalen" Zauberer sind gezwungen neue Ideen zu entwickeln und neue Wege in der Zauberkunst zu gehen. Das kann nur von Vorteil sein!

  • Selbst für die Ehrlich Brothers sind Übergänge zwischen den einzelnen Kunststücken manchmal schwer zu gestalten. Gerade noch läuft eine wunderbare romantische Nummer und im nächsten Moment geht es darum, dass die Ehrlich Brothers den maskierten Magier hassen.

  • Das Bühnenbild wird für die zweite Hälfte komplett umgebaut. Dafür müssen Unmengen an Helfern notwendig sein. Tatsächlich sind die Helfer auch permanent auf der Bühne im Einsatz (mit Bällen zufällig ausgewählte Zuschauer werden jeweils von einem Helfer auf die Bühne geleitet). Allerdings fallen die Assistenten nicht auf, da sie immer zur richtigen Zeit völlig unauffällig am richtigen Ort bereitstehen.

  • Ich sitze in Reihe 8. Für mich sind die Kameraübertragungen optimal, da ich mit halbem Auge live und mit dem anderen auf der Kamera zuschauen kann (sofern nicht irgendwo hinter mir im Zuschauerraum Close-Up gezeigt wird). Ich frage mich allerdings, wie es für die hinteren Reihen aussieht. Entsteht bei diesen Zuschauern nicht der Gedanke, dass man das Ganze mindestens genauso gut zu Hause auf dem Sofa geschaut hätte?

  • Oft wird in der Show sehr geschickt Werbung platziert. Bei Déjà-vu beispielsweise weist Chris Ehrlich zweimal sehr charmant auf die Stadionshow hin. Allerdings wird es gegen Ende der Show zu viel. Der letzte Part der Show ist keine Illusion, sondern Chris der nochmal nach vorne kommt und einen Gutscheincode für die Stadionshow präsentiert. Für mich schließe ich daraus, dass Werbehinweise nie der Schluss der Show sein sollten, das wirkt irgendwie negativ.

Ich ziehe meinen Hut vor einer solchen Leistung. Die Jungs spielen in einer Liga mit Copperfield und ähnlichen Shows und sie touren dabei sogar noch. Ich hoffe, dass die Ehrlich Brothers den Druck, der auf ihnen lastet (neue Shows, Tourstress, riesige Fanbase betreuen, Werbung machen, ...), gut durchstehen und wir noch viele innovative, bombastische und geniale Shows von ihnen sehen werden. Hier noch ein kleiner Einblick vom Finale: