Manipulatoren und ihr Gepäck

Die Manipulation ist die "Königsdisziplin" der Zauberkunst. Sie beruht auf Tricks, die sehr viel Fingerfertigkeit erfordern. Die Gegenstände, mit denen manipuliert wird haben in der Regel maximal Handgröße, wie Karten und Bälle. Auch das Bühnenbild ist oft gar keines oder nur sehr minimalistisch gehalten (z.B. ein kleiner Tisch, auf dem ein Zylinder steht). Daher werden Manipulatoren oftmals von anderen Zauberkünstlern wegen ihres kleinen Gepäcks beneidet. Dieser minimalistische Stil der Manipulatoren hat aber nicht nur praktische Gründe...

Da der Vorführende kleine Gegenstände meist schnell erscheinen und verschwinden lässt, muss er den Fokus ganz gezielt auf jeden Effekt setzen. Ein überladenes Bühnenbild hätte zur Folge, dass die Zuschauer sehr viel optisches haben, was vom eigentlichen Geschehen ablenkt und aus einiger Entfernung würden sie die Effekte daneben gar nicht mehr wahrnehmen.

Ich selbst habe mit der Musical-Darstellerin Kristin Backes eine Manipulationsshow. In der Entstehungsphase saß Kristin am Klavier und sang, während ich dazu Karten und Bälle erscheinen, wandern oder verschwinden ließ. Der Hauptkritikpunkt unserer Zuschauer war, dass sie oft nicht wussten, wo sie hingucken sollten. Es passiere so viel. -- Und das obwohl es lediglich Manipulation zu Live-Musik war. Aber die Leute nehmen gerne alles wahr, was auf der Bühne ist. Deshalb sind wir zu einer Version ohne Klavier übergegangen. Dadurch ist die Bühne leerer und wir können den Fokus durch unsere Bewegungen viel besser auf das legen, was gerade wichtig ist. Und ein schöner Zusatzeffekt ist, dass die Show dadurch für ein viel größeres Publikum sichtbar ist, obwohl wir viel weniger Gepäck haben (ein ganzes Klavier).