Wie kann man sein Training kontrollieren?

Wenn ich neue Zaubertricks einstudiere ist es für mich besonders wichtig, dass alle geheimen Bewegungen ganz natürlich aussehen. Außerdem muss ich verhindern, dass es irgendwie „blitzt“ und die Zuschauer sehen, wie der Trick funktioniert. Aber wie kann man das bei sich selbst im Trainingsprozess überprüfen?

Hier sind für euch meine Top 3 zur Trainingskontrolle:


1. Spiegel:

Es gibt zwei Sorten des Trainingsspiegels. Zum einen einen normalen großen Spiegel, in dem sich der Vorführende selbst möglichst vollständig betrachten kann. Außerdem gibt es sogenannte Zaubertechnik-Trainingsspiegel (drei Spiegel in verschiedenen Winkeln um verschiedene Grifftechniken direkt aus mehreren Winkeln zu beobachten).

Ich selbst nutze nur den normalen großen Spiegel. Hier ist der Vorteil, dass man sich selbst direkt und effektiv korrigieren kann. Er eignet sich besonders, um Techniken zu korrigieren oder auch, um Mimiken zu testen. Ich empfehle allerdings nicht ihn für das Einüben einer ganzen Show zu verwenden, weil sonst folgende Nachteile entstehen können:

  • Wenn man Präsentationen mit Spiegel einübt, verunsichert es meistens sich in der Auftrittssituation nicht selbst zu sehen.

  • Man selbst sieht nur einen Winkel, der je nach Vorführ-Situation nicht dem der Zuschauer entspricht.

  • Es kann ein in Zaubererkreisen weit verbreitetes Phänomen entstehen: der „Spiegelblinzer“. Es klingt verrückt, aber man fängt wirklich an sich selbst auszutricksen, wenn eine Tricktechnik mehrfach im Spiegel blitzt. Im Moment des Griffes beginnt man die Augen kurz zu schließen oder etwas länger zu blinzeln. Das ist kein Witz und selbst die besten Zauberer sind davor nicht geschützt. Beobachten Sie Fred Kaps in dieser Nummer: https://www.youtube.com/watch?v=vJ3wR9IClWY&t=4s. Schauen Sie, wann eine geheime Handlung passiert und achten hierbei genau auf sein Gesicht (unter anderem bei Minute 4:59). Es ist nicht immer, aber man bemerkt, welche Griffe Fred Kaps scheinbar vor dem Spiegel geübt hat. Kennt ihr weitere Zauberer mit "Spiegelblinzler-Phänomen" oder gehört vielleicht selbst dazu?


2. Videoaufnahmen:

Um seine ganze Routine zu kontrollieren, sind Videoaufnahmen super geeignet. Man kann sich während der Vorführung (egal ob man im Proberaum für sich die Nummer durchspielt oder ob man einen Auftritt mitfilmt) voll auf seine Show konzentrieren und diese anschließend in Ruhe angucken. Videoaufnahmen eigenen sich also in allen Trainingsstadien - vom Beginn der Einübung einer Nummer bis hin zur Feinstkorrektur. Für meine Beachparty-Nummer, in der alles im Team genau abgestimmt sein muss, haben wir von Beginn an mit Videos gearbeitet, damit wir gemeinsam überprüfen konnten was passiert ist oder besonders gut geklappt hat. Und auch heute noch, obwohl die Nummer inzwischen sehr eingespielt ist und seit 4 Jahren von den gleichen Effekten lebt, filmen wir jeden Auftritt mit, um hinterher nochmal die Show analysieren zu können.

Nachteile der Videokontrolle sind, dass sie nur zweidimensional ist und starr aus einem Blickwinkel. Deshalb sollte man, wenn die Möglichkeit besteht, die Kamera an verschiedenen Positionen im Raum platzieren, um die Winkel zu kontrollieren. Leider ist die Rückmeldung, die man erhält zeitverzögert, also keine „im Moment-Korrektur“.


3. Direkter Zuschauer:

Die Königsmethode der Korrektur, wie ich finde. Es ist genial, einen direkten Gegenüber zu haben, der einem zuguckt und kritisch Rückmeldung gibt. Am Besten ist ein Zauberkollege, der sich in der Materie auskennt, konstruktive Kritik geben kann und gleich auch Vorschläge mitliefert, wie es besser geht oder wo der Fehler liegt.

Der Vorteil an dieser Methode ist, dass durch den Betrachter von außen ein neutraler Blickwinkel eingenommen wird. Man ist als Vorführender selbst oft „betriebsblind“, was die eigenen Handlungen angeht. Der Nachteil: Man muss sehr kritikfähig sein und die Beziehung zwischen dem Vorführenden und dem Coach wird auf eine harte Probe gestellt.

Für mich ist dies die ideale Form zum Trainieren. In den meisten Trainingsphasen sitzt mir mein Vater, oder auch ein Team-Mitglied meiner Beachparty-Show gegenüber, und überprüfen meine Shows. Sie geben mir entweder direkt Rückmeldung oder machen sich Notizen während ich spiele, um anschließend zu kritisieren (z.B. „links unter der Hand blitzt es … jetzt oben“, „betone die rechte Hand mehr“, „die Bewegung setzt zu früh ein, man sieht sie“).


Fällt Ihnen ein berühmter Zauberkünstler ein, der auch den „Spiegelblinzler“ macht?

Was sind eure persönlichen „Feedback-Systeme“, sowohl im kurz- als auch langfristigen Trainingsprozess?